Für diejenigen, die gerne eine Schiffsreise
machen, ist die Insel Pag eine besondere Attraktion. Ihre Form ist
gestreckt und unregelmäßig. Von Kap Lun am Westzipfel
bis zum östlichsten Punkt Fortica misst sie etwa 50 km. Den
größten Teil der Inselfläche bedecken karge, steinige
Weiden, auf denen vorwiegend Schafe grasen, aus deren Milch der
bekannte Käse (Paski sir) hergestellt wird. Im Pager Käse
schließt sich der Kreislauf der Natur. Sein intensiv würziger
Geschmack lässt deutlich das Salz spüren, das die Bora
aus der Meeresgischt über das gesamte Gebiet unterhalb des
Velebit-Gebirges und so auch über die Pager Steinwüste
zerstäubt. Betrachtet man wiederum die wunderbare Pager Spitze,
so scheint es, als ob dieser dunkelgraue Inselpanzer und seine komplexe
Struktur hierin ihr natürliches Gegenstück erhalten hätten.
Während die unbändige mediterrane Natur auf der Insel
Pag eine im Chaos verborgene Ordnung geschaffen hat, ist bei dieser
kunstvollen Handarbeit alles in einer geometrischen Reihenfolge
angeordnet - wohl aus dem Wunsch heraus, eine gut angepasste Umwelt
in einem dem Menschen nicht gerade freundschaftlich gesonnenen Ambiente
zu schaffen. Die heutige Stadt Pag entstand im 15. Jahrhundert und
entspringt ebendiesem Wunsch nach Ordnung. Sie wurde nach dem städtebaulichen
Plan des Architekten und Bildhauers Juraj Dalmatinac gebaut, der
das Muster der antiken Stadtpläne, das sich in den meisten
Adriastädten wiederfinden lässt, bewusst bei der Gründung
des neuen Pag verwendete. Nicht nur für die Seefahrer ist Pag
ein Erlebnis, sondern ebenso für alle, die die Insel mit dem
Auto besuchen und sich in einer Landschaft wiederfinden, die man
schwerlich irgendwo anders sehen wird.
Auf der Straße, die über die Insel in Richtung Osten
führt, kommt man bei Kap Fortica zu einer Brücke, die
die Insel mit dem Festland verbindet. Von diesem Punkt aus kann
man immer an dem riesenhaften Velebit-Massiv entlang in Richtung
Osten zum sog. Novigrader Meer (Novigradsko more) und Kariner Meer
(Karinsko more) fahren, oder aber man schlägt die südliche
Richtung ein und besucht das alte Städtchen Nin, den ersten
Sitz der frühmittelalterlichen kroatischen Herrscher. Hier,
am östlichen Rand der Küstenebene Ravni Kotari bestand
bereits in der Antike die illyrische Siedlung Aenona, die ihr relativ
reiches Leben auch in der Römerzeit fortsetzte. Zwischen dem
9. und dem 11. Jahrhundert wurde Nin zum Sitz kroatischer Bischöfe,
deren Jurisdiktion sich auf das gesamte Gebiet des kroatischen Staates
erstreckte.
In Nin fand man das Taufbecken des Fürsten Viseslav, in dessen
Inschrift zum ersten Mal ein kroatischer Würdenträger
erwähnt wird. Hier befindet sich auch die Heiligkreuzkirche
aus dem 11. Jahrhundert, ein schönes Zeugnis der frühmittelalterlichen
Bauweise, ebenso wie die Kirchenfestung St. Nikolaus im nahen Prahulje.
In Nin erlebt man besonders stark den kontrastreichen Übergang
vom karstigen Pag zur sanften Küstenebene und den schlammigen
Ufern, an denen Nin liegt. Immer wieder schweift der Blick zum Velebit,
dessen Gipfel in Wolken gehüllt sind. In Norddalmatien findet
man oft eine solche Landschaftsvielfalt auf kleinem Raum.
Am Westrand der Küstenebene Ravni Kotari liegt das jahrtausendealte
Zadar, die Stadt des heiligen Chrysogonus (kroat. Krsevan). Die
auf einer Halbinsel gelegene Altstadt ist reich an Überresten
von Kulturen, die sich hier durch die Jahrhunderte abgewechselt
haben. Von der Zuwanderung der Kroaten bis heute ist Zadar im Vergeich
zu seinem ursprünglichen Stadtkern um mehr als das Zehnfache
gewachsen, aber der Grundriss des regelmäßigen antiken
Straßennetzes des römischen Jader ist noch immer klar
zu erkennen. Reste des antiken Forums; die Dreifaltigkeitskirche
(Sveto trojstvo), die später nach Donatus, dem Bischof des
mittelalterlichen Zadar, benannt wurde; die romanische Kathedrale
der hl. Anastasia (Sveta Stosija) und andere mittelalterliche Kirchen;
Reste der einstigen Stadtmauer; die einzigartige museale Sammlung
"Das Gold und Silber von Zadar"; Wohnhäuser aus dem
19. Jahrhundert - alles das sind nur einige Sehenswürdigkeiten,
die Zadar zu bieten hat. Wegen seiner zahlreichen Denkmäler
aus verschiedenen Epochen könnte man die Stadt auch als eine
urbane Collage bezeichnen. Nach Zadar gelangte man früher durch
die von Michele Sanmicheli im Renaissancestil projektierten Stadttore.
In den Straßen breitet sich der Duft von Mangold und gegrilltem
Fisch aus und bei Rotwein wird nicht selten ein Lied angestimmt.
Melancholie bemächtigt sich des Betrachters, wenn der Blick
von der Küste zum wunderbaren Sonnenuntergang über den
der Stadt vorgelagerten Inseln schweift.
Aber Zadar könnte ohne sein Hinterland nicht funktionieren
und ebenso undenkbar wäre es ohne seine Inseln und Inselbewohner,
die täglich in "ihre Stadt" eilen. Das tief in die
Felsen eingeschnittene Flusstal der Zrmanja nordöstlich der
Stadt ist fester Bestandteil des zu Zadar gehörenden Hinterlandes
und der adriatischen Landschaft, wo sich die Zrmanja mit den Meerbusen
Karinsko more und Novigradsko more vermischt.
Andererseits verleiht die Verbindung mit den Inseln Zadar eine unbestrittene
Vitalität. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen und durch diese
Inselwelt schippern: zunächst zu den der Stadt am nächsten
liegenden Inseln Sestrunj, Ugljan, Veli und Mali Iz, Dugi otok und
Pasman; dann vorbei an Olib und Molat bis zum entfernten Silba.
Wer sich jemals in diese Inselgruppe begeben hat, ist - bezaubert
von den anmutigen kleinen Ortschaften, den reizvollen Inselchen
und den verträumten, halbleeren Fischerdörfern - gewiss
länger geblieben als geplant. Der Höhepunkt des hiesigen
Archipels ist auf jeden Fall die großartige Inselgruppe der
Kornaten, die mit ihren 125 Inselchen und Riffen ein lang gestrecktes,
seewärts gerichtetes Bollwerk mit senkrechten Felsen bilden,
die eine Höhe von 100 m und mehr erreichen. Dieses geomorphologische
Phänomen ist eine der faszinierendsten Meereslandschaften und
noch immer unberührt, denn außer zwei kleinen Orten auf
der größten Insel sind alle anderen Eilande des Archipels
unbewohnt. Man muss das tiefe, durchsichtige Wasser in den zahlreichen
Buchten und die einsamen Riffe erleben, wo man eine Ruhe verspürt,
wie nur noch selten woanders. Diese Inselwelt bietet immer neue
Bildausschnitte, in denen sich Festland und Meer begegnen - Bilder,
die einzig von weißen Segeln, die sich langsam in der Mittagssonne
bewegen, belebt werden. Aber die Kornati-Inseln sind nicht nur ein
Naturphänomen, denn die Geschichte hat in diesem Raum ebenfalls
ihre Spuren hinterlassen. Zu bewundern sind beispielsweise die Fundamente
einer römischen Villa in Mala Proversa, Reste der altchristlichen
Marienkirche und einer byzantinischen Festung auf der größten
Insel Kornat. Viele Klippen und Riffe sind namenlos, aber manche
tragen ihrer Gestalt entsprechende, ungewöhnliche Namen: Klobucar
(Hut), Balun (Ball), Kosara (Korb), Mrtvac (Toter). Es wird erzählt,
dass die immer zu Späßen aufgelegten Bewohner der Insel
Murter den österreichisch-ungarischen Landvermessern diese
Namen diktiert haben.
In Festlandnähe und im Anschluss an Ugljan liegt die Insel
Pasman, deren Ortschaften von Zdrelac im Westen bis Tkon im Osten
dem Festland und der alten Stadt Biograd zugewandt sind. Die Orte
auf Pasman teilten nicht selten das gleiche Schicksal wie Biograd,
das wiederum von den geschichtlichen und politischen Ereignissen
in Zadar diktiert wurde. Obgleich Biograd schon in Urkunden aus
dem 10. Jahrhundert Erwähnung findet, ist wegen der Zerstörung
der Stadt im Jahre 1125 aus dieser Zeit fast nichts erhalten geblieben.
Die Benediktinermönche errichteten danach in Tkon auf Pasman
ihr Kloster. Biograd wurde nach dieser Zerstörung erneuert,
aber Mitte des 17. Jahrhunderts vernichteten die Verteidiger von
Biograd ihre Stadt bis auf die Grundmauern, als sie sich vor dem
türkischen Ansturm zurückziehen mussten.
Biograd erhob sich jedoch nach alledem wie ein Phönix aus der
Asche. Seine Riviera, die sich bis Pirovac erstreckt, ist mit der
Insel Murter und dem See Vransko jezero im unmittelbaren Hinterland
gewiss einer der reizvollsten Abschnitte der Adriaküste.
Wer die Kornaten passiert hat, ist bereit, den Weg durch den Archipel
von Sibenik von Zirje über Kakan, Kaprije und Zmajan bis nach
Prvic, Zlarin und zur Miniaturinsel Krapanj fortzusetzen. Für
diese Strecke braucht man zwei bis drei Tage. Unterwegs kann man
die Macchia und die malerischen Buchten von Zirje sowie die barocke
Kirchenarchitektur Zlarins aus nächster Nähe bewundern
oder die Welt der Korallentaucher erleben. Von den Korallen zeugen
auch die Trachten der Zlariner Frauen und die Erzählungen der
Bewohner von Krapanj. Dieser Seeweg führt weiter nach Sibenik,
wohin man natürlich auch über Tribunj und Vodice auf dem
Festland gelangen kann.
Der Blick auf die Stadt Sibenik ist sehr eindrucksvoll, wenn man
durch den St.-Anna-Kanal und vorbei an der St.-Nikolaus-Festung,
dem Werk des bekannten italienischen Festungsbaumeisters der Renaissance
Michele Sanmicheli, den Hafen anläuft. Dahinter breitet sich
auf einer Anhöhe die Stadt aus, die im Jahre 1066 zum ersten
Mal erwähnt wurde und bis zum letzten Quadratmeter mit sich
eng aneinander schmiegenden Häusern bebaut ist. Beim Spaziergang
in Gradina, dem ältesten Stadtteil, kann man noch die mittelalterliche
Atmosphäre spüren. Das Wachstum der Stadt und die Änderung
der Baustile sind an den Gebäuden anderer Stadtteile abzulesen.
Die Stiländerungen sind auch am bedeutendsten Gebäude
in Sibenik, dem St.-Jakobs-Dom, bemerkbar, der im Laufe des 15.
Jahrhunderts errichtet und vor kurzer Zeit in das UNESCO-Verzeichnis
des Weltkulturerbes eingetragen wurde. Der im Übergangsstil
von der Gotik zur Renaissance entstandene Dom ist ein architektonisches
Meisterwerk von Juraj Dalmatinac und wurde von Niccol_ Fiorentino
(kroat. Nikola Firentinac) vollendet. An der Außenwand der
Apsis befindet sich ein Fries mit 74 in Stein gemeißelten
Porträtköpfen, die wahrscheinlich die damaligen Bewohner
von Sibenik darstellen. Die Kuppel der Kathedrale ist ebenfalls
etwas Besonderes - sie besteht aus gefalzten Steinplatten. Der Eindruck,
den man von diesem Bauwerk erhält, wird in der Taufkapelle
abgerundet, die sich in der Krypta unter der Südapsis befindet,
denn hier erlebt die meisterhafte Interpretation verschiedener Baustile
ihren Höhepunkt.
Das südländische Flair kann man überall auf den Straßen
von Sibenik spüren, besonders abends, wenn die Lieder der A-capella-Chöre
(kroat. klapa) erklingen. Man sollte unbedingt auch die edlen Weine
aus den umliegenden Weinbergen probieren, die von den fleißigen
Winzern, besonders aus der Umgebung von Primosten, bearbeitet und
seit Jahrhunderten gepflegt werden. Jedes Stückchen fruchtbaren
Bodens wird in diesem kargen Gelände genutzt. Eine der größten
Sehenswürdigkeiten im Hinterland von Sibenik sind die Wasserfälle
der Krka und die ausnehmend reizvolle Landschaft am Visovac-See
(Visovacko jezero). Auf dem See befindet sich eine kleine Klosterinsel,
auf der sich noch im 16. Jahrhundert die Franziskaner niedergelassen
haben. Die Umgebung von Sibenik ist gleichfalls interessant. An
heißen Tagen kann man im Schatten der Maulbeerbäume in
Skradin ausspannen, in Primosten den hervorragenden luftgetrockneten
Schinken (Prsut), hausgemachten Käse und den bekannten Babic-Wein
kosten oder sich an schwülen Tagen etwa auch in Rogoznica erfrischen.
Der Weg entlang der Küste führt weiter nach Südosten
über das malerische Marina bis nach Trogir, dessen alter Stadtkern
auf einem Inselchen zwischen dem Festland und der Insel Ciovo liegt.
Entstanden auf den Fundamenten einer griechischen Kolonie, ist Trogir
mit seinen engen Straßen und seinen in der Höhe einander
angepassten Häusern ein einzigartiges Denkmal des mittelalterlichen
Städtebaus und ein gutes Beispiel für die harmonische
Anlage der adriatischen Küstenstädte. Der Besucher findet
hier eine ganze Reihe bewundernswerter Werke der Architektur und
Bildhauerkunst - vom griechischen Relief des Gottes Kairos über
das bescheidene altkroatische Kirchlein der hl. Barbara bis zu den
Gotik- und Renaissancepalästen. Unter den Denkmälern ragt
jedoch besonders die St.-Laurentius-Kathedrale hervor, deren Hauptportal
im Jahre 1240 von Meister Radovan geschaffen wurde. Meister Radovan
galt als "der beste Baumeister seiner Zeit". Ein Gegenstück
zu diesem romanischen Meisterwerk ist die Renaissance-Kapelle des
sel. Johannes Orsini, ein Werk von Niccol - Fiorentino, an dem auch
die Bildhauer Andrija Alesi und Giovanni Dalmata (kroat. Ivan Duknovic)
mitwirkten. Diese glänzenden architektonischen und bildhauerischen
Leistungen zeugen von dem hohen kulturellen Niveau der Einwohner,
die es wie die Menschen in vielen anderen Adriastädten geschafft
haben, ihre Stadt nach den Zerstörungen im Jahre 1123 wieder
aufzubauen. Wie Zadar oder Biograd überstand auch Trogir die
folgenden Jahrhunderte bis heute, und zwar nicht nur dank seiner
vorteilhaften Lage, sondern auch dank der Hartnäckigkeit seiner
Bewohner, diedie schwersten Krisen zu überbrücken vermochten
und das gesellschaftliche Leben ihrer Stadt stets bereicherten.
Ein ähnliches Schicksal hatte Solin, das die Tradition des
antiken Salona, der größten römischen Stadt an der
Ostküste der Adria, fortführt. Es wurde im 7. Jahrhundert
während der Invasion der Slawen und Awaren vollkommen zerstört.
Das kroatische Solin hat jedoch niemals das Niveau des antiken Salona
erreicht, unter anderem auch deshalb, weil es im Laufe der Zeit
seine einstige Vorrangstellung an das nahe gelegene Split verlor,
das damals auf den Bereich innerhalb der Palastanlagen des römischen
Kaisers Diokletian zusammenschrumpfte. Hier siedelte sich die romanische
Bevölkerung an, die aus Salona geflüchtet war. Später
errichteten auch kroatische Siedler hier ihre Häuser. Aus dem
ehemaligen römischen Kaiserpalast entstand so allmählich
eine Stadt, und Solin blieb nur eine Vorstadt. Der Weg von Trogir
nach Split führt durch Kastela, eine Reihe von sieben miteinander
verbundenen Ortschaften, die ursprünglich um mittelalterliche
Kastelle herum entstanden sind. Die Kastelle wurden während
des 15. und 16. Jahrhunderts von weltlichen und kirchlichen Feudalherren
aus Trogir und Split zum Schutz gegen die Türken errichtet.
Auch hier boten die Kastelle, wie im Falle des Diokletianpalasts,
den Bewohnern einen sicheren Zufluchtsort, um den herum später
eine Siedlung entstand.
Sieht man einmal von Zadar ab, so hinterließen die Jahrhunderte
nur selten derart deutliche Spuren der Verschmelzung verschiedener
Kulturen wie in Split. Vom Peristyl des Kaiserpalastes führt
eine Treppe zum ehemaligen Diokletianmausoleum, der heutigen St.
Domnius-Kathedrale (Sveti Duje). Man passiert zunächst die
romanischen Türflügel, eine herrliche Schnitzarbeit des
Meisters Andrija Buvina, um den Innenraum dieser einst heidnischen
Grabstätte zu betreten. Das Musoleum wurde später von
den Christen umgebaut und ist noch heute eines der bemerkenswertesten
Sakralobjekte in Dalmatien. Auch hier hat Juraj Dalmatinac ein Meisterwerk
geschaffen: den Altar des hl. Anastasius mit dem Relief Geißelung
Christi, das man aufgrund seiner Stilmerkmale als Werk der Hochrenaissance
einstufen kann. Der Meister hatte - offensichtlich inspiriert von
dem für die Renaissance typischen Interesse an der antiken
Skulptur - nach der langen Vorherrschaft der flachen Form im Mittelalter
wieder das antike Interesse für das Körperliche entdeckt.
Dies veranschaulichen die vom Hintergrund sich lösenden und
fast wie frei stehende Skulpturen wirkendenden Figuren seiner Reliefs.
Über dem Gebäudekomplex dominiert der harmonische romanische
Glockenturm als Ausdruck des endgültigen Sieges der mittelalterlichen
über die antike Zivilisation - und folglich des Sieges der
christlichen Religion; er ist aber ebenso ein Ausdruck ihrer wechselsitigen
Durchdringung. Am Beginn der Neuzeit dehnte sich Split außerhalb
der Palastmauern nach allen Seiten hin aus. Es entwickelte sich
zu einer modernen Stadt am Fuße des Marijan-Berges. Aber wie
die meisten Adriastädte ist auch Split eng mit dem Meer und
seinen Inseln verbunden. Zwar ist jede der mitteldalmatinischen
Inseln eine Welt für sich, doch sind die meisten an Split orientiert.
Die der Stadt am nächsten liegende Insel Solta ist eine kleine
Perle, deren Buchten man von der Meerseite entdecken sollte. Stomorska
oder Necujam, wo bereits die Höflinge Kaiser Diokletians ihre
Ferien verbrachten, sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Für
die Buchten begeisterten sich später auch die Dichter der Renaissance.
Es ist ein herrliches Erlebnis, im Morgengrauen nach Brac auszulaufen
oder in der Abenddämmerung den Kanal von Hvar zu überqueren.
Sehenswert ist auch die Ortschaft Skrip auf der Insel Brac mit seiner
barocken Miniaturkirche oder die Einsiedelei Blaca mit zahlreichen
Eremitenbehausungen. Stari Grad auf Hvar sollte man ebenso besuchen
wie die Sommerresidenz des Dichters Hektorovic im Städtchen
Hvar, wo die Begeisterung für den Humanismus noch heute spürbar
ist. Im Hauptort der Insel sollte man außerdem das Anfang
des 17. Jahrhunderts eröffnete Stadttheater besichtigen, das
im Arsenal-Gebäude untergebracht ist. Genauso lohnend ist ein
Ausflug nach Jelsa oder Vrboska auf der Nordseite der Insel. Von
den Bräuchen sind vor allem die Faschingsumzüge auf Hvar,
Solta und Brac interessant, die in der Nacht von Karfreitag auf
Karsamstag stattfinden. In der Ortschaft Komiza auf Vis wird alljährlich
ein Volksfest zu Ehren des hl. Nikolaus veranstaltet, dessen Höhepunkt
die Verbrennung eines traditionell gebauten einmastigen Fischkutters
(Gajeta) ist. Von Komiza oder Vis aus kann man mit dem Boot das
Inselchen Bisevo erreichen, das für seine Blaue Grotte (Modra
spilja), einem einzigartigen Naturphänomen, bekannt ist. Wer
sich in den Gewässern von Split aufhält, sollte auf jeden
Fall einen Abstecher zu dem unbewohnten Inselchen Jabuka mit seinen
senkrechten, fast 100 m hoch aufragenden schwarzen Felsen machen.
Es soll an dieser Stelle daran erinnert werden, dass der Diokletianpalast
aus dem berühmten weißen Marmor von Brac erbaut wurde
(wie später auch das Weiße Haus in Washington), dass
das Stadttheater von Hvar noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts seine
Tätigkeit aufnahm, dass der Renaissance-Dichter Hektorovic
in seinen Versen das Leben am Meer meisterhaft besungen hat. All
dies vervollständigt das Bild vom kulturellen Leben und Schaffen
auf den mitteldalmatinischen Inseln, auf denen der Mensch die zahlreichen
Gaben der Natur geschickt zu nutzen wusste.
Tiefer im Hinterland liegt die Stadt Sinj, in der seit dem 18. Jahrhundert
jeden Sommer das Reiterspiel Sinjska alka stattfindet, bei dem die
Reiter, die besonders schmucke traditionelle Uniformen tragen, den
an einem Draht in der Luft hängenden Ringel (Alka) im vollen
Galopp mit der Lanze treffen müssen. Sinj ist auch einer der
größten kroatischen Marien-Wallfahrtsorte, der alljährlich
zu Mariä Himmelfahrt (15. August) von zahlreichen Gläubigen
aufgesucht wird.
Der Küstenstreifen östlich von Split bietet viele interessante
Anblicke. Beginnen wir mit dem Kieselstrand von Stobrec oder der
Ortschaft Omis, die unterhalb eines gigantischen Felsentors liegt,
an dem die Cetina aus ihrem steilen Flusstal austritt und in die
Adria mündet. Der Betrachter fühlt sich unwillkürlich
in jene Zeit versetzt, als hier noch die einstige mittelalterliche
Piratenfestung stand. Die alte Kirche des hl. Petrus in Priko wiederum
ist ein schönes Zeugnis frühkroatischer Sakralbaukunst
an der östlichen Adriaküste. Am Fuße des Biokovo
befindet sich Makarska, vor einer ebenso großartigen Kulisse.
Vor dem Hintergrund der wilden Gebirgsszenerie illustrieren die
urigen Steinhäuser eindrucksvoll das Bestreben der Küstenbewohner,
ihre Siedlungen harmonisch der Landschaft anzupassen.
Nur wenige Kilometer weiter südlich liegt die Neretva-Mündung,
wo sich ein ganz anderes Landschaftsbild darbietet. Der krasse Gegensatz
zwischen Gebirge und Meer tritt hier zurück vor der Szenerie
einer Sumpflandschaft: Der Blick des Betrachters folgt dem eintönigen
Lauf der Neretva im ruhigen, mit Schilf bewachsenen Delta, wo die
Stille ab und zu vom Flügelschlag der Vögel unterbrochen
wird, während flache Kähne sanft über die Wasserfläche
gleiten. Der hier gebräuchliche Kahntyp (kroat. trupe) wird
seit Jahrhunderten im Neretva-Tal hergestellt und spielt noch heute
eine wichtige Rolle im Leben an den Flussufern.
Wer die Geschichte dieses Raums kennen lernen möchte, sollte
die altkroatische Kapelle St. Michael (Sveti Mihovil) in Stonsko
polje aufsuchen. Dieses kleine Bauwerk weist originelle architektonische
Lösungen auf und fügt sich auf äußerst harmonische
Weise in die Landschaft. Obgleich es abseits der Siedlungsgebiete
lag, war dieses Kirchlein mit Fresken geschmückt. Die heute
erhaltenen Überreste dieser Fresken sind die einzigen Zeugnisse
frühromanischer Wandmalerei in Dalmatien. Das Erscheinungsbild
der Ortschaften Mali Ston und Veliki Ston, die von der Dubrovniker
Republik im 14. Jahrhundert gegründet wurden, ist von Salinen
und Austernparks geprägt. Die Befestigungsmauer beider Ortschaften
umschließt einen Stadtkern mit regelmäßig angelegtem
Straßennetz. Diese Regelmäßigkeit steht im Widerspruch
zur ungezügelten mediterranen Üppigkeit der Halbinsel
Peljesac mit ihrem ausgeprägten Adriaklima a die Natur hat
hier zu rationalem Denken und Wirken angeregt. Die berühmten
Weine der Halbinsel Peljesac, Postup und Dingac, sind sicherlich
der beste Ertrag der reichhaltigen Naturgaben, die über die
ganze Halbinsel von Hrasno über Kuna und Orebic bis nach Lovisce
verteilt sind. Auch das benachbarte Korcula kann sich kräftiger
und herber Weine rühmen, zudem dichter Nadelwälder, die
nicht einmal die Feuersbrunst vor etwa zehn Jahren vernichten konnte.
Die Legende berichtet im Übrigen, das Korcula seinen ursprünglichen
Namen gerade dieser dunkelgrünen Pflanzendecke verdankt. Besuchen
Sie die Stadt Korcula, die St.-Markus-Kathedrale und bewundern Sie
die in hießigen Familienwerkstätten entstandenen Werke
von Steinmetzen und Baumeistern! Laufen Sie den Hafen von Pupnat
an, fahren Sie an Smokvice vorbei bis nach Blato, verbringen Sie
einen Abend in Vela luka, fahren Sie mit dem Boot von Prizba auf
eines der verstreuten kleinen RiffeÉ Machen Sie sich mit
dem Leben dieser Insel bekannt, auf der noch heute zwei mittelalterliche
Schwerttänze aufgeführt werden: die Moreska in Korcula
und die Kumpanija in Blato, beide Bestandteil der geschichtlichen
und folkloristischen Überlieferung. Die Geschichte Korculas
setzt mit der Gründung einer griechischen Kolonie im 4. Jahrhundert
v.Chr. ein, wovon das berühmte Psephisma (Volksbeschluss) von
Lumbarda zeugt a eine Schrifttafel mit Bestimmungen zur Landaufteilung
unter den griechischen Kolonisten. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts
erhielt Korcula Stadtrechte. Man begegnet hier einer langen Tradition
des gesellschaftlichen Lebens bzw. der urbanen Kultur, was auch
durch die Tatsache belegt wird, dass die Stadt Korcula eigentlich
zwei Mittelpunkte hatte: einen weltlichen (Rathausplatz) und einen
geistlichen (Domplatz). Eine solche Aufteilung ist für das
spätere europäische Mittelalter charakteristisch. Hier
wurde sie, wie man sieht, in einem Inselstädtchen angewandt,
das sich im kleinen Maßstab offensichtlich von denselben Kriterien
leiten ließ, die für weit mächtigere europäische
Städte dieser Zeit galten.
Der Ort Lastovo auf der gleichnamigen Insel zeugt auf seine Weise
von der Lebenstradition im Mittelmeerraum. Der Ort liegt an einem
sanften Hang, und seine Häuser entstanden im Lauf der Jahrhunderte
dicht aneinandergerückt in unmittelbarer Nachbarschaft. Die
Raumverhältnisse wurden hierbei optimal genutzt: Die Gebäude
erheben sich stufenartig eines über das andere, sodass man
überall genügend Sonne und Luft und außerdem eine
gute Sicht hat. Einen zusätzlichen Reiz Lastovos machen die
zahlreichen umliegenden Inselchen aus, die aus dem tiefblauen Meer
ragen, das an dieser Stelle eine Tiefe bis zu 100 m erreicht und
jedermann einlädt, sich den Abenteuern der Schifffahrt hinzugeben.
Auf der benachbarten Insel Mljet ist die Geschichte ebenfalls allgegenwärtig.
Die Legende besagt, dass seinerzeit Odysseus bei seinen Irrfahrten
im Mittelmeer diese idyllische Insel besuchte. Ob es sich wirklich
so zugetragen hat, ist schwer festzustellen, aber Tatsache ist,
dass man hier zahlreiche Spuren alter Kulturen findet: von illyrischen
Burgruinen (Gradine) über mittelalterliche Kirchen bis hin
zur größten Sehenswürdigkeit von Mljet a dem Benediktinerkloster
aus dem 12. Jahrhundert, das man auf dem kleinen Inselchen im See
Veliko jezero besuchen kann. Dieses Kloster wurde in späteren
Jahrhunderten mehrmals umgebaut, wie dies im adriatischen Raum im
Laufe der wechselvollen Geschichte gemeinhin üblich war.
Wer gerne malerische Eilande für sich entdeckt, darf auf keinen
Fall die Gelegenheit verpassen, die Elaphiten zu besuchen, eine
Inselgruppe, die sich von der Halbinsel Peljesac bis nach Dubrovnik
erstreckt. Hier wird man verstehen, was den Stadtadel und angesehene
Bürger von Dubrovnik zum Bau ihrer vornehmer Sommerhäuser
bewog. Die vielen hier verstreuten Sommerresidenzen bieten Einblick
in den Lebenstil der einstigen Oberschicht der Dubrovniker Republik.
Zu einem vollkommenen Erlebnis gehört auch der Besuch des Arboretums
in Trsteno, das Anfang des 16. Jahrhunderts um das Sommerhaus der
Adelsfamilie Gucetic angelegt wurde. Trotz der Schäden, die
ihm im Laufe des Krieges 1991a95 sowie infolge von Waldbränden
widerfuhren, veranschaulicht es eindrucksvoll die Lebensweise des
hochherrschaftlichen Dubrovnik.
Man sollte sich der Stadt von Rijeka Dubrovacka aus nähern.
An den sanften Ufern einer fjordähnlichen, 5 km weit ins FestIand
gegrabenen Bucht errichtete der Dubrovniker Stadtadel vom 15. bis
17. Jahrhundert prächtige Landhäuser im vornehmen europäischen
Baustil.
Die Bürger vonDubrovnik, die jahrhundertelang wortwörtlich
an der Grenze zwischen West und Ost lebten und dank ihres diplomatischen
Geschicks die Selbständigkeit zu wahren und ihren Wohlstand
zu mehren wussten, errichteten in der Blütezeit der Republik
zahlreiche Sommerresidenzen vor den Toren der Stadt. Diese Bauten
setzen einzigartige Akzente in einer üppigen Landschaft, die
in Nachbarschaft zum ruhig fließenden Gewässer der Ombla
wie gebändigt erscheint. Dem Betrachter vermitteln die heute
still und verlassen liegenden Landhäuser den Eindruck eines
harmonischen Zusammenlebens von Mensch und Natur. Diese Harmonie
resultiert aus einer gewissen vornehmen Zurückhaltung, die
auch in Dubrovnik auf Schritt und Tritt spürbar ist: in jeder
Straße, jedem Haus, jeder Kirche.
Diese eindrucksvolle Stadt entstand ursprünglich auf einem
Felsen. Bereits Konstantin VII. Porphyrogennetos behauptete, dass
sie im 7. Jahrhundert von Flüchtlingen aus der Kolonie Epidaurus
gegründet worden sei. Unter dem Patronat des Bischofs und späteren
Schutzheiligen Blasius (Sveti Vlaho) überdauerte die Siedlung
wiederholte Belagerungen und viele Erdbeben. Noch heute ist Dubrovnik
etwas ganz Besonderes, und alles Wissen über seine Geschichte
und Renaissancekultur, über seine barocken Kirchen, seine Gesetzgebung
und Wirtschaft kommt nicht an den Genuss eines Aufenthalts in seinen
Mauern heran. Dubrovnik ist nach menschlichem Maß geschaffen,
das jedermann ermöglichte, eine ihm angemessene Rolle in der
Gemeinschaft zu übernehmen. Jahrhundertelang ließen sich
die Bürger dabei von dem Wahlspruch leiten, dass das Gemeinwohl
über den Privatinteressen zu stehen habe. Daher gilt Dubrovnik
als der Prototyp einer Stadtgemeinschaft, die im Unterschied zu
verschiedenen literarischen Utopien in hohem Maß das Ideal
einer urbanen Demokratie verwirklichte. Davon zeugen noch heute
seine Stadtmauer und die anmutigen Brunnen, der Fürstenpalast
und das Palais Sponza, die Kreuzgänge des Franziskaner- und
Dominikanerklosters, die Apotheke aus dem 14. Jahrhundert und die
Bronzestatuen Zelenci, die an der Stadtuhr die Glocken der Vergänglichkeit
läuten. Dubrovnik bietet bis in unsere Tage ein überaus
reiches Kulturleben, besonders im Sommer, wenn das Sommertheater-
und Musikfestival stattfindet und die internationale Kunstwerkstatt
"Lazareti" wirkt.
Zu Dubrovnik gehört aber auch seine
reizvolle Umgebung: das vorgelagerte romantische Eiland Lokrum,
die Ortschaften Zupa dubrovacka und Cavtat, das an der Stelle des
antiken Epidaurus entstanden war; ferner die fruchtbare Küstenlandschaft
Konavle mit ihren kleinen Orten, den malerischen Trachten und Bräuchen;
schließlich noch die Landzunge Prevlaka bis Kap Ostro, dem
südlichsten Festlandspunkt der kroatischen Adria. Dieser relativ
kleinflächige Raum bildete vormals das Universum, dessen Mittelpunkt
Dubrovnik war a für damalige Verhältnisse eine wahre Metropole,
in deren gesittetem Ambiente man den Wissenschaften und Künsten
oblag, Schifffahrt und Handel trieb und internationale Kontakte
pflegte. Das kulturelle Niveau dieser einzigartigen Stadt strahlte
aus bis in die entlegensten Gegenden und Inseln, ja selbst bis nach
Palagruza, einem weit auf offener See liegenden Eiland, das den
südlichsten Punkt der kroatischen Adriaküste darstellt.
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