Die größten
Ortschaften im Landesinneren sind Buzet, Pazin, Motovun, Zminj und
Buje. Buzet liegt am Fuße des Cicarija-Berges und war bereits
zur Römerzeit besiedelt. Im Mittelalter war es eine befestigte
Stadt, deren Wehrmauer im Laufe der späteren Jahrhunderte ausgebaut
wurde. Der Hauptplatz ist auf einem Felsen entstanden. Dort befindet
sich die im 18. Jahrhundert im Barockstil erneuerte Pfarrkirche.
Die malerische Umgebung der Stadt ist für ihr gutes
gastronomisches Angebot bekannt. Ihre Bewohner pflegen noch heute
die volksmusikalische Tradition der Klagelieder (kroat. bugarenje
= wehklagen) sowie schöne Volkstänze. In der unmittelbaren
Umgebung von Buzet findet man einige kleinere Städtchen mit
wertvollen Kultur- und Kunstdenkmälern: Oprtalj, Hum, Draguc,
Roc und Sovinjak. In Oprtalj ist die Pfarrkirche mit ihrem spätgotischen
Gewölbe und Wandmalerein aus dem 15. Jahrhundert erhalten.
In Hum befindet sich eine romanische Friedhofskapelle mit Fresken
aus dem 12. Jahrhundert und in Draguc die Kirche des hl. Rochus,
die mit Fresken eines istrischen Malers aus dem 16. Jahrhundert
ausgemalt ist.
Pazin ist die größte Stadt in Mittelistrien. Der alte
Stadtkern liegt über der mehr als 100 m tiefen Fojba-Schlucht,
in die der Pazincica-Bach hinabstürzt. Bei starken Regenfällen
entsteht in der Schlucht ein See, der bis zu 3 km lang werden kann.
Die erste Erwähnung dieses Naturphänomens findet man im
phantastischen Roman "Mathias Sandorf" von Jules Verne
aus dem Jahr 1885. In diesem Roman spielt die berühmte Schlucht,
die durch einen unterirdischen Gang mit der Bucht von Lim verbunden
ist, eine wichtige Rolle. Doch in Wirklichkeit gab es keinen solchen
unterirdischen Gang. Die im 10. Jahrhundert erstmals urkundlich
genannte Stadt erhielt ihr heutiges Aussehen im 16. Jahrhundert,
als sie sich in nördlicher und östlicher Richtung ausbreitete.
Die Pfarrkirche St. Nikolaus aus dem 15. Jahrhundert hat einen spätgotischen
Altarraum mit Fresken im Gewölbe und an den Wänden. Im
Gebäude des städtischen Kastells ist heute das Ethnographische
Museum mit einer wertvollen Sammlung untergebracht. Schon im 16.
Jahrhundert erhielt Pazin das Marktrecht. Bis auf den heutigen Tag
wird traditionell jeden ersten Dienstag im Monat der Viehmarkt abgehalten.
Unweit von Pazin liegt das Dorf Beram, das für das Friedhofskirchlein
Sveta Marija na Skriljinah (St. Maria am Felsen) bekannt wurde.
Dort kann man einen berühmten Freskenzyklus von Vincent aus
Kastav aus dem 15. Jahrhundert bewundern. In der Nähe liegt
der Ort Lindar mit der Katharinenkirche, deren ungewöhnliches
Fresko "Lebensbaum" zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstand.
Auch die Ortschaft Sveti Petar u sumi (St. Peter im Walde) mit dem
sehenswerten Gebäudekomplex eines ehemaligen Benediktinerklosters,
das später von den Paulinern umgebaut wurde, lädt zu einem
Ausflug ein.
Motovun ist eine der malerischsten Ortschaften Istriens und liegt
auf einem hohen Bergrücken in dem idyllischen Flusstal der
Mirna. Im oberen Teil der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer
wurde vor kurzer Zeit ein Spazierweg eingerichtet. Von hier aus
bietet sich ein einmaliger Ausblick auf das Mirna-Tal. Die Zisterne
auf dem Hauptplatz diente einst der Wasserversorgung, besonders
während der Stadtbelagerungen, und zeugt von der bewegten Geschichte
dieses Raums. Unweit des Orts erstreckt sich der Wald von Motovun
(Motovunska suma), in dem man Tröffel finden kann, die bekannteste
gastronomische Spezialität dieser Gegend. In Motovun wird seit
kurzem auch ein internationales Filmfestival abgehalten. Die Ortschaft
Zminj, die auf einem Hügel zwischen den Tälern Limska
draga und Raska dolina liegt, ist berühmt wegen ihres reichen
Kulturerbes aus verschiedenen Epochen - von altkroatischen archäologischen
Funden aus dem 11. Jahrhundert bis hin zur neuzeitlichen Kirchenarchitektur.
Die gesamte Gegend lockt mit ihren traditionellen Gerichten alljährlich
Feinschmecker aus nah und fern an. Zum Angebot gehören Manestra,
eine Gemüsesuppe; Supa, eine Weinsuppe mit trockenem Brot,
etwas Öl und Pfeffer, sowie Würste mit Sauerkraut und
nicht zuletzt die Landweine Teran und Malvazija. In Zminj wird Ende
August eines der ältesten istrischen Volksfeste (Bartulja)
zu Ehren des Stadtpatrons, des hl. Bartholomäus, veranstaltet.
Im Juli findet ein Wettkampf im Akkordeonspielen statt.
Die Ortschaft Buje wurde in römischer Zeit gegründet und
bildet heute den Mittelpunkt eines Gebiets, das sich auf Landwirtschaft
und vor allem auf den Weinanbau spezialisiert hat. Die Weinstraßen,
die vielen Gasthäuser (kroat. konoba) mit ihrem guten Angebot
traditioneller Speisen und istrischer Landweine sind unter Feinschmeckern
und Weinkennern wohl bekannt. 7 km nordöstlich liegt die Ortschaft
Momjan, die von dem Berg Sveti Mauro überragt wird. Von dort
bietet sich ein einmaliger Ausblick auf ganz Istrien, von der Küste
bei Umag bis zum Gipfel der Ucka.
An der istrischen Nordwestküste liegt der alte Fischerort Savudrija.
In dieser grünen Landschaft reichen die Wälder bis an
das Meer heran. Laut Überlieferung besiegten die Venezianer
hier im 12. Jahrhundert die vereinigten Flotten von Friedrich Barbarossa
und Papst Alexander III. In Savudrija ist ein Leuchtturm aus dem
19. Jahrhundert erhalten, der lange Zeit als der größte
an der Adria galt. Er ist noch immer in Funktion. Die Anfänge
des Fremdenverkehrs reichen in das ausgehende 19. Jahrhundert zurück.
Damals wurden die ersten Erholungsheime errichtet, die wegen ihrer
ruhigen Lage und der schönen Küstenlandschaft Gäste
aus ganz Europa anzogen. Viele lokale Gaststätten bieten auch
heute eine interessante Kombination kontinentaler und mediterraner
Kochkunst an. In der nahe gelegenen Ortschaft Zambratija wird im
August ein Volksfest zu Ehren der hl. Maria Magdalena veranstaltet.
Eine Besonderheit dieser Gegend ist die alte Art, wie die Fischer
ihre Boote versorgen. Sie werden nämlich an einer Holzkonstruktion
hochgezogen, ähnlich wie die Rettungsboote an Passagierschiffen.
Südlich von Savudrija liegt die alte Küstenstadt Umag.
Sie ist heute mit den nahe gelegenen Hotelanlagen und Feriensiedlungen
zusammengewachsen. Hier findet seit zehn Jahren das ATP-Tennis-Turnier
"Croatia Open" statt. Umag gehört zu den städtebaulich
modernsten Küstenorten; an dem Projekt der Neugestaltung von
Umag haben nahmhafte kroatische Designer teilgenommen. In der Stadt
findet man auch einen gut ausgestatteten Jachthafen - das Ziel vieler
Segler auf ihren Adriatörns.
Südlich von Umag befindet sich Novigrad, das man nach einer
kurzen Autofahrt auf der Küstenstraße erreicht. Die Ortschaft
liegt am nördlichen Ufer der Mirna-Mündung, die bereits
in der Antike besiedelt war. Die zahlreichen an historischen Gebäuden
und Kirchen sichtbaren Stilrichtungen zeugen von häufigen Veränderungen
im Laufe der Geschichte. Novigrad blickt auf eine lange Fremdenverkehrstradition
zurück; die ersten Touristen kamen bereits Ende des 19. Jahrhunderts
hierher. Heute zieht Novigrad die modernen Nomaden nicht nur wegen
des kristallklaren Meerwassers und der schönen Badestrände
an, sondern auch dank seines reichen Freizeitangebots. Das Mirna-Tal
ist nämlich als Jagdgrund bekannt, aber wer es ruhiger mag,
wird sich mit einer Kanufahrt auf dem Fluss begnügen. In den
Abendstunden lockt das alljährlich im Sommer stattfindende
Jazzfestival viele Gäste in die Stadt. Ende August findet ein
dreitägiges Fest zu Ehren des Schutzpatrons Pelagius statt,
bei dem man die alten Volksbräuche bewundern kann.
Weiter südlich an der Küste liegt Porec, die an historischen
Denkmälern reichste Stadt Istriens. Im Stadtkern kann man noch
heute das römische Grundmuster aus rechtwinklig sich kreuzenden
Straßen gut erkennen. Besonders sehenswert ist die Euphrasius-Basilika
aus dem 6. Jahrhundert mit wunderschönen Mosaiken aus justinianischer
Zeit, die unlängst in das UNESCO-Verzeichnis des Weltkulturerbes
aufgenommen wurde. Auch einige romanische und gotische Wohnhäuser
sind gut erhalten. Die Stadt hat zahlreiche schöne Badestrände
aufzuweisen. Die meistbesuchten befinden sich auf der Insel Sveti
Nikola, die der Stadt vorgelagert ist. In Porec und seiner Umgebung
reichen die Pinienwälder bis ans Meer heran. Von der langen
Fremdenverkehrstradition zeugt der erste Stadtführer aus dem
Jahr 1845. Man kann die Stadt auch mit dem Boot erreichen. Der gut
ausgestattete Jachthafen bietet viele sichere Anlegeplätze.
Bei Vrsar unweit von Porec befindet sich ein kleiner Sportflugplatz.
Nicht weit entfernt liegt ein weiteres malerisches Küstenstädtchen
- Rovinj, das an einem stark gegliederten Küstenabschnitt mit
vielen vorgelagerten Inseln gegründet wurde. Die Schönheit
der Stadt und ihrer Umgebung führte bereits im 19. Jahrhundert
zur Eröffnung erster Sanatorien, der Vorläufer der heutigen
Feriensiedlungen. Die Stadt lag ursprünglich auf einer kleinen
Insel und wurde bereits im 7. Jahrhundert erwähnt. Später
wurde die Insel durch eine Geländeaufschüttung mit dem
Festland verbunden. Rovinj war einst durch eine doppelte Wehrmauer
befestigt, die inzwischen abgerissen wurde. Ihre Teile wurden beim
Bau später errichteter Gebäude verwendet. Das Stadtbild
wird von der Kirche der hl. Euphemia mit dem 60 m hohen Glockenturm
beherrscht, dessen Spitze die Statue der Schutzheiligen ziert. Besonders
reizvoll sind die vorgelagerten Inseln Sveta Katarina, Sveti Andrija
und Crveni otok, wo sich einst ein Benediktinerkloster befand. Dieses
Kloster wurde von den Franziskanern ausgebaut. Später entstand
daraus ein Schloss, das vor kurzer Zeit wiederum zu einem Hotel
umgebaut wurde. Der Jachthafen von Rovinj bietet Seglern und Motorbootfahrern
zu jeder Jahreszeit guten Schutz vor allen Winden.
Pula ist die größte Stadt Istriens
und liegt an der Südspitze der Halbinsel. Sie entstand an der
Stelle einer ursprünglich illyrischen Siedlung, die später
zur römischen Kolonie wurde. Durch die gut geschützte
Bucht von Pula, die seit jeher als sicherer Naturhafen bekannt ist,
kann man die Stadt vom Meer aus erreichen und im Jachthafen unweit
des Stadtzentrums anlegen. Das Wahrzeichen von Pula ist das große,
gut erhaltene Amphitheater aus dem 1.-2. Jahrhundert n.Chr., das
einst über 20.000 Zuschauer aufnehmen konnte. Zu den Sehenswürdigkeiten
zählen auch der Triumphbogen der Sergier und der Augustustempel,
beide aus dem 1. Jahrhundert. Auf dem ehemaligen römischen
Forum stand einst an der Nordseite ein weiterer Tempel, von dem
heute nur eine Mauer erhalten ist, die in das Rathaus aus dem 13.
Jahrhundert eingebaut wurde. Vor dem ehemaligen Stadttor befand
sich ein großer römischer Friedhof, den Dante Alighieri
im IX. Gesang seiner "Göttlichen Komödie" erwähnt.
Der Spaziergang durch das Zentrum von Pula ist wie ein Ausflug in
die Geschichte, die in jedem Stadtteil ihre Spuren hinterlassen
hat. Zahlreiche Überreste antiker Denkmäler werden im
Archäologischen Museum Istriens bewahrt. Die vielen Kirchen
der Stadt zeugen von der Kultur des Mittelalters und der Neuzeit.
Die Kapelle der ehemaligen Kirche Santa Maria Formosa ist ein schönes
Beispiel für die Architektur des 6. Jahrhunderts. In der Franziskanerkirche
wird ein Flügelaltar vom Ende des 14. Jahrhunderts bewahrt,
der die istrische Holzschnitzkunst der Gotik veranschaulicht. Die
Domkirche Mariä Himmelfahrt wurde im 5. Jahrhundert errichtet
und später mehrmals umgebaut. Der Außen- und Innenraum
weisen daher verschiedene Stilrichtungen auf - von dem römischen
Sarkophag, der als Altar benutzt wird, über mittelalterliche
Baufragmente bis hin zur Renaissance. Die Stadt wird von einem Kastell
beherrscht, das an der Stelle einer vorgeschichtlichen Wallburg
entstand und seine heutige Form im Zeitraum vom 16. bis zum 19.
Jahrhundert erhielt. Heute ist in dieser Festung das Historische
Museum Istriens untergebracht. Die Anfänge des Fremdenverkehrs
in Pula sind eng mit der Geschichte verbunden, weil die ersten Touristengruppen,
welche die Stadt besuchten, Liebhaber von Altertümern waren.
In Pula wird seit den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Filmfestival
mit Filmvorführungen im römischen Amphitheater abgehalten.
In der Nähe der Stadt befindet sich ein internationaler Flughafen.
Aus der benachbarten Ortschaft Fazana kann man mit einem Schiff
den Nationalpark Brijuni erreichen. Die malerischen Brijuni-Inseln
zogen bereits in der Antike Menschen an, die Ruhe und landschaftliche
Schönheit bevorzugten. Davon zeugen heute noch Reste eines
römischen Landhauses. In der Nähe von Pula befinden sich
Medulin, ein Ort mit wunderschönen Badestränden, sowie
Barban, eine malerische, mittelalterlich anmutende Ortschaft, wo
bereits seit dem 17. Jahrhundert alljährlich in der zweiten
Augusthälfte das Reiterspiel Trka na prstenac stattfindet (Ringelstechen,
bei dem Reiter versuchen, im Galopp mit der Lanze einen Eisenring
zu treffen). Weiter nördlich in Richtung des Rasa-Tals liegt
die gleichnamige Ortschaft, die ihre Entstehung in den 30-er Jahren
des 20. Jahrhunderts dem nahe gelegenen Kohlenbergwerk verdankt.
In Rasa findet man heute viele Beispiele der modernen Architektur
jener Zeit. Jedoch das Zentrum des damaligen Bergbaugebiets war
die Stadt Labin. Seit Stilllegung der Gruben nutzt man die alten
Stollen als touristische Attraktion. Labin ist für sein internationales
Kultur- und Ausstellungsprogramm unter dem Namen "Labin Art
Express" bekannt. Die Ortschaft hat sich aus der römischen
Siedlung Albona entwickelt. Hier sind viele Denkmäler aus dem
Mittelalter und der Neuzeit erhalten. Besonders sehenswert sind
die bürgerlichen Paläste und Häuser im Renaissance-
und Barockstil.
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