An der Küstenstraße unterhalb
der Ucka liegen mehrere kleinere Ortschaften. Moscenicka draga setzt
sich direkt in einem kleinen Hafen und einem Strand fort, der im
Sommer viele Badegäste anzieht.
Lovran hat ein sehr angenehmes Klima und eine schöne Vegetation,
was schon die alten Römer erkannt hatten. Im Laufe der folgenden
Jahrhunderte wurde der Ort zwei Mal völlig zerstört, aber
stets wieder aufgebaut, um sich dann im 19. Jahrhundert zu einem
richtigen Fremdenverkehrsort zu entwickeln. Dies begünstigte
insbesondere der Bau eines 12 km langen Küstenspazierwegs von
Volosko über Opatija bis nach Lovran. In der Umgebung des Städtchens
findet man dichte Kastanienwälder. Die Kastanien aus Lovran
(Maruni) werden als Leckerbissen sehr geschätzt. Sie stehen
zudem im Mittelpunkt der "Marunada", einem alljährlich
zur Kastanienernte im Oktober gefeierten Fest. Ika und Icici sind
zwei weitere malerische kleine Orte an der Küstenstraße,
deren Architektur sich harmonisch in die Landschaft einfügt.
Opatija, das an der Grenze zwischen Istrien und der Kvarner-Bucht
liegt, bekam seinen Namen nach einer Benediktinerabtei (ital. Abbazia,
kroat. Opatija), die erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt wurde.
Opatija ist einer der schönsten Badeorte an der Adria, der
mit seinen in allen Stilrichtungen gestalteten Hotelfassaden und
den Touristenscharen, die auch in den Wintermonaten die sonnige
Küstenpromenade entlang spazieren, wie eine Filmkulisse wirkt.
In Opatija ist die Vergangenheit auf Schritt und Tritt spürbar.
Der Fremdenverkehr blickt hier auf eine lange Tradition zurück,
die weit bis in das Jahr 1844 zurückreicht, als die "Villa
Angiolina", die erste Pension, errichtet wurde. In den 80-er
Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden hier bereits zahlreiche Hotels,
Villen, Sommerresidenzen, Sanatorien, Bäder und Promenaden.
Die ganze Stadt lebt nach wie vor vom Tourismus. In nördlicher
Richtung schließt der alte Fischerort Volosko an, etwas weiter
liegen die Ortschaften Matulji und Kastav, in denen jeder Gast regionale
Spezialitäten nach seinem Geschmack finden und dabei die schöne
Sicht auf das Meer genießen kann.
Reist man von Istrien an die Kvarner-Küste, so bemerkt man
noch vor Rijeka, der größten Stadt und dem zugleich größten
Hafen dieses Raums, die ersten Veränderungen. Wenn man heute
durch Rijeka spaziert, muss man einfach die in vielen mitteleuropäischen
Baustilen gestalteten Paläste bewundern, die ihren Blick nostalgisch
auf die am Ufer ankernden und zu Reiseabenteuern einladenden Schiffe
richten. In ihren verborgenen Winkeln und unterirdischen Schichten
verbirgt die Stadt jedoch weit ältere Spuren aus längst
vergangenen Jahrhunderten, die bis zur antiken Ansiedlung Tarsatica
zurückreichen. Den Hauch der Vergangenheit spürt man auch,
wenn man das Kastell Trsat besucht, das im 13. Jahrhundert von dem
kroatischen Fürstengeschlecht der Frankopanen errichtet wurde.
Es gilt unzählige Stufen hinaufsteigen, um das Heiligtum der
Muttergottes von Trsat zu erreichen. Erst dann kann man sehen, wie
sich fast unmerklich der Übergang von der modernen Hafen- und
Industriestadt zum altertümlichen Stadtkern vollzieht; das
einzige sichtbare Trennungszeichen ist ein alter Uhrturm mit einem
Durchgang. Rijeka mit seinem dichten Geflecht architektonischer
Merkmale aus verschiedenen Epochen, pulsierend im rasenden Rhythmus
des Straßenverkehrs, mit den Geräuschen des Hafens und
der abfahrenden Züge lässt sich aus immer neuen Blickwinkeln
entdecken eine richtige Großstadt an der Adriaküste.
Und inmitten all dieses chaotischen Treibens erhebt sich das geistige
Zentrum der Stadt, die St.-Veits-Kathedrale (Sveti Vid), ein barocker
Bau, in dem das Altarbild von Tizian mit der Darstellung der Himmelfahrt
Christi deutlich hervorsticht. Die Dynamik des Kirchenraums scheint
die ganze Energie der Stadt in geballter Form wiederzugeben. Das
rege Treiben der Hafenstadt Rijeka ist auch in der benachbarten
Bucht Bakarski zaljev mit den Orten Bakar und Kraljevica spürbar.
Im alten Stadtkern von Bakar befindet sich ein Kastell aus dem 16.
Jahrhundert; in Kraljevica stößt man auf das Kastell
von Petar Zrinski aus dem 17. Jahrhundert. In der Stille der Bucht
sind heute noch Erinnerungen an eine Zeit lebendig, als Bakar ein
wichtiges Handels-, Hafen- und Schiffbauzentrum war. Als jedoch
im Schiffsverkehr neue Antriebsmechanismen und Maschinen eingesetzt
wurden, ereilte Bakar ein völlig anderes Schicksal als Rijeka
und die Stadt ging zusammen mit der Segelschifffahrt in die Geschichte
ein. In der Bucht stehen heute noch als malerische Zeugen der Vergangenheit
eigentümliche hohe Spähersitze (kroat. tunere), von wo
aus man früher die Bewegung der Fischschwärme im Meer
verfolgte.
Das Bild des Kvarner-Raums wäre unvollständig, wenn man
nicht seine Inseln besuchen würde. Dies gilt vor allem für
Krk, die größte und der Küste am nächsten gelegene
Insel, die mit ihren zwei deutlich zu unterscheidenden Landschaftstypen
die gleichen Reliefformen wie das Festland aufweist. Die Nordküste
von Krk ist steinig und arm an Vegetation und somit den steilen,
felsigen Höhen des Velebit-Gebirges auf dem Festland sehr ähnlich.
Die Südküste ist mit ihren vielen Kies- und Sandbuchten
dafür milder, grüner. Eine Besichtigung der Insel, gleich
ob sie auf dem See- oder Landweg geschieht, ist gerade wegen der
kontrastreichen Landschaften ein herrliches Erlebnis. In den Städtchen
und Ortschaften im Inselinneren hat sich die Tradition des glagolitischen
Schrifttums über Jahrhunderte hinweg erhalten. In Baska wurde
eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse der kroatischen
Sprache, die sog. Tafel von Baska, gefunden. Der Kvarner-Raum ist
zudem die nördlichste Region, in der man heute Zeugnisse der
altkroatischen Baukunst aus dem frühen Mittelalter finden kann.
An der Chorschranke der kleinen Lucienkirche in Jurandvor entdeckt
man ein Relief mit dem ältesten bekannten Motiv quadratischer
Felder, die später und erneut in heutiger Zeit im kroatischen
Wappen zu finden sind. In der Nähe von Punat befindet sich
die Kirche des hl. Donatus, das beste Beispiel für die bescheidene
Architektur der altkroatischen Baumeister, das durch seine stille
Religiosität und karge Schlichtheit fasziniert. Man sollte
natürlich auch Vrbnik besuchen, einen verträumten und
auf einem steilen Felsen thronenden Ort, der für die ausgezeichnete
einheimische Weinsorte Zlahtina bekannt ist. Einen Ausflug ist aber
auch das Franziskanerkloster des Inselchens Kosljun wert. In der
Klosterbibliothek kann man ein seltenes Exemplar des Ptolemäischen
Atlasses, einen Nachdruck aus dem 16. Jahrhundert, bewundern.
Wenn man von der Insel Krk am frühen Morgen in Richtung Cres
ausläuft, sollte man mindestens einen Tag für die Besichtigung
dieser lang gestreckten Insel einplanen, die sich bei dem Städtchen
Osor an die benachbarte Insel Losinj anschmiegt. Es scheint, als
ob die unmittelbare Nachbarschaft dieser beiden Inseln ein Gleichnis
dafür bildet, was jeden Reisenden erwartet, der sich von Istrien
aus in südlicher Richtung bewegt. Die Insel Krk kann man aufgrund
ihrer Festlandsnähe fast als einen Teil des Festlands empfinden,
was in landschaftlicher und kultureller Hinsicht gerechtfertigt
ist. Cres und Losinj hingegen stellen den eigentlichen Anfang einer
prachtvollen Reihe adriatischer Inseln dar - einer Kette aus unzähligen
verschiedenartigen Festlandteilchen inmitten des Meeres. Zu den
Besonderheiten dieser eigentümlichen Inselwelt zählt ein
Naturphänomen, das man auf Cres antrifft. In der Mitte der
Insel erstreckt sich der See Vransko jezero, dessen Grund 68 Meter
unter dem Meeresspiegel liegt. In Valun wurde die sog. Tafel von
Valun aus dem 9. Jahrhundert mit der landesweit ältesten glagolitischen
Inschrift geborgen. An der Südwestküste der Insel liegt
Osor, das im Mittelalter seine Blütezeit erlebte. Das Städtchen
Cres wiederum verzeichnet zu Beginn der Neuzeit einen starken Aufschwung.
Diese Tatsache kommt auf besondere Weise in den Werken des bekannten
Renaissancephilosophen Frane Petric zum Ausdruck. Von ihm wird behauptet,
dass ihm die Inspiration für seine Vision der idealen Stadt
gerade in seiner Geburtsstadt Cres gekommen sei.
Aber um die Insel Cres vollständig erleben zu können,
muss man unbedingt Lubenice besuchen, einen kleinen, hoch auf einer
steilen Klippe gelegenen Ort. Dieser Ort scheint heute noch die
jahrhundertelang währende Angst vor den Angriffen der venezianischen
Flotte zu illustrieren.
Im Unterschied zu Cres ist Losinj, das erst in der Neuzeit besiedelt
wurde, für sein mildes Klima bekannt, das auch den Nachbarinseln
Unije und Susak zuteil wird. Diese Inseln sind ebenfalls einen Abstecher
wert. Während Losinj auf seine Seefahrer- und Fischertradition
stolz ist, stellt Susak ein natürliches und kulturelles Phänomen
dar. Das Eiland besteht nämlich zur Gänze aus einer fast
100 m dicken und auf einer Kalksteinplatte liegenden Sandbodenschicht.
Im Übrigen ist Susak ein einziger großer Weingarten,
in dem neben edlen Rebsorten jahrhundertealte Bräuche und die
Tradition des altkroatischen Sprachgebrauchs kultiviert werden.
Man muss von diesen Inseln zurück zum Festland fahren, um den
Kvarner-Archipel in seiner vollen Pracht zu erleben. Von Crikvenica
oder Novi Vinodolski kann man sich beispielsweise einen guten Eindruck
von der Größe der Insel Krk verschaffen, die wie ein
eigener Kontinent erscheint. Von Senj aus kann man den Blick bis
zur Insel Prvic schweifen lassen. Es bieten sich viele weitere Ausblicke,
die bei klarem Wetter in eine Entfernung von 40 km Luftlinie reichen.
In Crikvenica sollte man das Hotel Therapia besuchen. Es wurde im
Jahre 1895 erbaut. Auch das ehemalige Paulinerkloster ist zu einem
Hotel umgebaut worden. Nach der Kirche dieses Klosters erhielt der
Ort seinen Namen (kroat. crkva, crikva = Kirche). Crikvenica ist
auch im Winter sehr attraktiv, insbesondere wegen der ausgelassenen
Festlichkeiten in der Karnevalszeit von Januar bis Februar. In der
Umgebung befinden sich viele kleine Ortschaften, darunter auch Grizane,
wo am Ende des 15. Jahrhunderts der berühmte Maler Juraj Julije
Klovic geboren wurde, ein Meister der Renaissance-Miniatur.
Unweit von Crikvenica, an der Mündung der Suha ricina, liegt
Novi Vinodolski. Die Stadt war im Mittelalter ein befestigter Sitz
des Fürstengeschlechts der Frankopanen. Hier entstand im Jahre
1288 das sog. Vinodoler Gesetzbuch, eines der wichtigsten Dokumente
des mittelalterlichen kroatischen Gewohnheitsrechts. In den architektonischen
Denkmälern von Novi Vinodolski, in seinen Kirchen, Bibliotheken
und Schatzkammern ist ein großer Reichtum an glagolitischen
Schriftstücken und Kunstwerken konzentriert. Diese Küstenstadt
zeugt von der früheren Macht des kroatischen Adels, aber auch
von der urbanen Kultur der kroatischen Adria. Novi Vinodolski ist
ein typischer Küstenort, dessen Einwohner heute darum bemüht
sind, das richtige Maß im Umgang mit der Natur zu finden.
Fährt man auf der Straße von
Novi Vinodolski in Richtung Senj weiter, so entdeckt man im Küstenabschnitt
unterhalb des Velebit eine ganz andere Landschaft, wo die heftige
Bora mitunter mit rasender Geschwindigkeit von den steinigen Gebirgshöhen
auf die Küste herabstürzt und das Meer zum Schäumen
bringt. Diesen Böen trotzt seit jeher die Stadt Senj, die auf
Siedlungen aus illyrischer und römischer Zeit zurückgeht,
im Mittelalter von den Frankopanen befestigt und später zur
freien königlichen Stadt erhoben wurde, die bereits am Ende
des 15. Jahrhunderts eine glagolitische Druckerei besaß. Senj
ist berühmt wegen der "Uskoken", Flüchtlingen
aus dem Landesinneren, die im 16. und 17. Jahrhundert vor den Türken
Schutz suchten und von hier aus den Kleinkrieg gegen die osmanischen
Besatzer weiterführten, aber auch Seeraub trieben. Sie waren
ebenfalls erbitterte Gegner Venedigs und bestimmten ein Jahrhundert
lang das Schicksal von Senj. Aus dieser unsicheren, von ständigen
Kriegen geprägten Epoche sind heute noch Festungen aus dem
14. und 15. Jahrhundert erhalten sowie der monumentale vierkantige
Wehrturm Nehaj (Fürchte nichts). Er wurde im Jahr 1558 erbaut
und ist von der Küstenstraße gut sichtbar. Senj ist der
größte in einer ganzen Reihe von Orten, die entlang der
Straße unterhalb des Velebit bis hin zur Meerenge Novigradsko
zdrilo in Richtung Zadar liegen. Die karge Natur und die ewige Bora
bestimmen im großen Maße das Leben in diesen Ortschaften,
die vom Meer aus betrachtet nachts wie winzige Glühwürmchen
aussehen, die zu Füßen des riesigen Berges liegen. Hier
vollzieht sich die Verbindung des Velebit mit dem Meer, weil an
dieser Stelle der Berg buchstäblich ans Meer herankommt. Diese
wilde Gegend wird harmonisch durch die Gebirgsflora ergänzt,
vor allem im Gebiet des Nationalparks Paklenica. Das Paklenica-Gebiet
ist eine zwischen zwei gewaltigen Bergschluchten liegende, riesige
Karstlandschaft, die man von dem Städtchen Starigrad aus leicht
erreichen kann. Auch die Küste unterhalb des Velebit ist ein
typisch adriatisches Phänomen - mit vielen natürlichen,
manchmal gar atypischen Besonderheiten, die auf engstem Raum versammelt
sind. Zu nennen wäre der fast 1 km lange Fjord Zavratnica unweit
des Orts Jablanac. Genau gegenüber dieser einmaligen Kombination
von Gebirgs- und Küstenwelt liegt die Insel Rab, die wie das
Festlandgebirge in Miniatur wirkt. Ihre stark gegliederte Küste
ist nicht leicht zu umschiffen, aber mit jeder neuen Aussicht auf
eine der Buchten machen sich die Mühen der Seereise bezahlt.
Einen wahren Höhepunkt stellt das Einlaufen in den Hafen der
Stadt Rab dar. Der Blick fällt hier auf mittelalterliche Glockentürme
und dicht gedrängte Häuser. Dieser Anblick scheint die
ganze Dichte und Vielschichtigkeit der Geschichte in sich zu konzentrieren,
vor allem an einem Sonntagmorgen, wenn die Kirchenglocken ertönen,
die bei schönem Wetter meilenweit zu hören sind. Die Halbinsel,
auf der sich die Altstadt befindet, erstreckt sich ins Meer wie
ein Steinschiff. In der glühenden Sommerluft wecken die glänzenden
Pflastersteine der Stadt die Erinnerung an vergangene Jahrhunderte.
Aber die Insel Rab ist nicht nur reich an kulturgeschichtlichen
Denkmälern, auch die Natur hat sie reich gesegnet: mit einem
einmaligen Steineichenwald und der immergrünen Macchia auf
der Halbinsel Kalifront sowie mit den für das Adriagebiet so
seltenen Wasserquellen, von denen es auf der Insel über 200
gibt, davon allein auf der Halbinsel Lopar 30. Auf Lopar, auch berühmt
für seinen langen Sandstrand, wurde der Steinmetz Marin geboren,
der spätere Begründer der Republik San Marino. So behauptet
es zumindest die Legende.
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